Louis Benkert

Text: Dr. Heidi Fogel, Historikerin
Louis Benkert wird am 20. September 1875 in Ostheim vor der Rhön geboren.1 Als Achtzehnjähriger kommt er nach Neu-Isenburg und engagiert sich bald darauf in der Arbeiterbewegung. 1902 wird er Geschäftsführer der zwei Jahre zuvor gegründeten "Neu-Isenburger Spar-, Konsum- und Produktionsgenossenschaft“. Der Konsum-Verein ist eine wichtige soziale Errungenschaft, denn er verschafft seinen meist einkommenschwachen Mitgliedern günstige Versorgungsmöglichkeiten durch gemeinschaftlichen Einkauf zu vorteilhaften Großkundenpreisen. Genossenschaftliche Vereinigungen sind in Neu-Isenburg zuerst aus der mittelständischen Handwerkerschaft heraus entstanden. Beispiele dieser Genossenschaften sind u.a. die Volksbank (1852) und der Sanitätsverein (1861). Etwa seit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts entwickeln sich daneben Genossenschaften der Neu-Isenburger Arbeiterschaft, wie die Kohlenkasse „Ceres“ und die Kranken- und Sterbekasse „Zur Standhaftigkeit" (1884).2

Louis Benkert ist seit 1908 sozialdemokratischer Abgeordneter im Gemeinderat. Zehn Jahre später, am Beginn der Weimarer Republik, ist er als Arbeiterrat am demokratischen Neubeginn in Neu-Isenburg aktiv beteiligt.3 1919 zieht er als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten in den Neu-Isenburger Gemeinderat ein und wird auch der Kandidat der SPD für das Bürgermeisteramt. Louis Benkert tritt gegen den langjährigen Amtsinhaber Jakob Pons an, der seit 1896 Bürgermeister gewesen ist. Jakob Pons verkörpert die überkommene gesellschaftliche Werteordnung des Deutschen Kaiserreichs und paßt nicht in die neue politische Zeit. Außerdem hat er sich als Inhaber einer Frankfurter Maklerfirma in Bodenspekulationen verstrickt. Seine sog. „Vorort-Terrain-Gesellschaft“ kauft im Frankfurter Umland Grundstücke preiswert auf. Da auffallend viele der in Neu-Isenburg erworbenen Grundstücke durch den Bau anliegender Straßen oder durch Erschließung mit Wasser, Strom und Kanalisation kurz darauf enorme Wertsteigerungen erfahren, setzt sich Pons dem Vorwurf aus, seine verwaltungsinternen Kenntnisse über die Stadtentwicklung für die Geschäfte seiner Firma genutzt zu haben.4

Louis Benkert gewinnt die Bürgermeisterwahl bei einer Wahlbeteiligung von knapp 84 % mit der eindrucksvollen Mehrheit von 973 Stimmen (Benkert: 3280/Pons: 2307).5 Er tritt die äußerst schwierige Aufgabe an, die Stadtverwaltung in der desolaten Phase des Umbruchs von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nach dem Ersten Weltkrieg zu führen. Die körperlichen und psychische Belastung ist groß. Die Sozialdemokratie ringt um ein neues Selbstverständnis. Die Mehrheit entscheidet sich gegen einen revolutionären Rätestaat und für einen Reformkurs im Sinne einer parlamentarisch-repräsentativen Demokratie. Die Gründung der KPD nach sowjetischem Vorbild im Jahr 1920 ist die geschichtliche Folge. Die Auseinandersetzungen auf der Straße, im Betrieb, im Verein, im Lokal und im Rathaus erschweren und hemmen die Arbeit des sozialdemokratischen Bürgermeisters.

Die materielle Not der Menschen ist groß. Da die Wirtschaft sich in den Jahren 1914 bis 1918 auf militärische Bedürfnisse konzentriert hat, ist für den zivilen Bedarf kaum produziert worden. Einem äußerst knappen Warenangebot steht eine unverhältnismäßig große Geldmenge gegenüber, so daß die Inflation ins Bodenlose wächst. 2,5 Milliarden Mark beträgt im Oktober 1923 der wöchentliche Bezugspreis für das Neu-Isenburger Anzeigeblatt6, ein Pfund Fisch oder Fleisch kostet Billionenbeträge.

Viele Soldaten und Kriegsgefangene, die aus dem Kriegs zurückkehren, bleiben angesichts der ohnehin hohen Arbeitslosigkeit ohne berufliche Perspektive und Möglichkeit zur Wiedereingliederung ins Arbeitsleben.

Die Menschen hungern - unter ihnen zahlreiche Witwen und Kinder von Soldaten des Ersten Weltkrieges. Es ist ein Glücksfall für die Stadt, daß Louis Benkert als ehemaliger Geschäftsführer des Neu-Isenburger Konsum-Vereins seine guten Kontakte zu Lieferanten und Lebensmittelherstellern nutzen kann, um für die am meisten Bedürftigen eine Volksküche zu schaffen. Mit der sozialdemokratischen Gemeinderätin Franziska Schorch findet Benkert eine engagierte und resolute Leiterin für diese Einrichtung.

Louis Benkert unternimmt darüber hinaus besondere Anstrengungen zur Förderung der schulischen Bildung. Eine verbesserte und erweiterte Ausbildung insbesondere für die Absolventen der Volksschulen ist Voraussetzung, Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen. 1922 eröffnet Louis Benkert die erste städtische Berufsschule.7

Am 2. August 1923 teilt Louis Benkert nach vierjähriger Amtszeit dem Gemeinderat seinen vorzeitigen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen mit. Da der Beigeordnete Louis Köhler (DDP) sein Amt bereits im Juni 1923 niedergelegt hat, übernimmt der städtische Büroinspektor Konrad Ahl mit Zustimmung des Kreisamtes zunächst kommissarisch das Bürgermeisteramt. Ahl wird am 2. September 1923 zum besoldeten Beigeordneten gewählt und führt die Geschäfte des Bürgermeisters bis zur Wahl Wilhelm Arnouls im Sommer 1924 weiter.8 Louis Benkert stirbt am 4.11.1944 im Alter von 69 Jahren.


Fußnoten:
[1] Zu Benkerts persönlichen Daten vgl. 60 Jahre Stadt Neu-Isenburg, Festschrift 1954, S. 49f

[2] Vgl. Heidi Fogel: Neu-Isenburg auf dem Weg vom Dorf zur Stadt an der Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert, Neu-Isenburg 1994, S. 93f u. S. 224fff

[3] Neu-Isenburger Anzeigeblatt, 16.11.1918

[4] Heidi Fogel, Neu-Isenburg, S. 138ff

[5] Neu-Isenburger Anzeigeblatt, 8.7.1919

[6] Neu-Isenburger Anzeigeblatt, 26.10.1923

[7] Die Weichen sind gestellt. Neu-Isenburg und seine SPD, hrsg. vom Vorstand des SPD-Ortsvereins Neu-Isenburg, o.J., S. 21

[8] Neu-Isenburger Anzeigeblatt, 4.9.1923
 

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